Sexuelle Dysphorie

Mit der gesellschaftlichen Dysphorie ist die Sexuelle Dysphorie eng verwandt. Diese konzentriert sich auf die Sexualität, sexuelle Beziehungen und den Akt des Geschlechtsverkehres selbst. Heteronormative Geschlechterrollen sind mit der Erwartung verbunden, dass AMABs oben und AFABs unten liegen. Diese Dynamik wird durch unsere populären Medien, durch das sich wiederholende Mantra der „toxische Männlichkeit“ und insbesondere durch Pornografie verstärkt. Selbst in der Transgender-Pornografie darf oft die Transfeminine Person oben liegen. Abweichungen von diesen Rollen führen häufig zu Scham sowohl von Partnern als auch von der Peer Gruppe.

Natürlich ist es keineswegs in Stein gemeißelt und viele heterosexuelle Cis-Paare finden Wege aus diesen Einschränkungen heraus, indem sie lernen anderen Dynamiken nachzugeben und andere Wünsche zu befriedigen. Blockiert man das dauerhaft kann es passieren das Paare feststellen, dass sie überhaupt nicht sexuell kompatibel sind und suchen andere Partner. Dennoch gibt es viele externe Zwänge, die diese Art der Selbsterkenntnis und Entdeckung entmutigen und es kann äußerst schwierig oder sogar traumatisch sein, sich von diesen Normen zu lösen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es einen Hintergrund von starker Religiosität oder des altbackenen Konservatismus gibt.

Homosexuelle Cis-Gender-Beziehungen entziehen sich dieser Notwendigkeit und öffnen dem Einzelnen die Türen, um herauszufinden, welche Rolle sie erfüllter macht. Einige homosexuelle Paare haben eine etablierte dominante – unterwürfige Dynamik und beginnen die Beziehung, wenn das schon von vornherein klar ist ein. Andere lösen das Problem, indem die dominante Rolle wechselt. Dennoch können sich homosexuelle Beziehungen immer noch in den Erwartungen von Butch – Femme oder BärTwink verfangen.

Was bedeutet das alles? Trans-Personen, die vor ihrer Transition wahrnehmungsmäßig heterosexuelle Beziehungen eingehen, verlieren manchmal das Interesse am Geschlechtsverkehr, da die Penetration bzw. das Penetriert werden nicht die Erfüllung bringt, die sie erwarten. In extremen Fällen kann es sich völlig falsch anfühlen und Panik auslösen. Die Empfindungen mögen sich angenehm anfühlen, aber die Erfahrung ist fehl am Platz und die Handlung selbst fühlt sich gezwungen.

🏳️‍⚧️ Kathryn Gibes ✨ @TransSalamander

Did any other trans girls get to the point pre-transition where they had to basically dissociate in order to top or was that just me lol

Dies kann dazu führen, dass man weniger begeistert oder sogar desinteressiert am Sex wird, da die Hälfte des Sexualtriebs der mentale Kontext der Situation ist. Viele Transgender erleben erst im Erwachsenenalter Sex. Sie wirken sexuell abgeneigt, da ihre Dysphorie den gesamten Sexualtrieb stark beeinträchtigt. Sie können immer noch für ihre Partner performen, haben aber nicht so viel Freude daran. In schwerwiegenden Fällen kann Depersonalisierung auftreten, um die „Aufgabe“ zu erfüllen.

die Rolle sie nicht erfüllt, weil sie wissen, dass ihr Partner sie als Mann sieht.Diese Dysphorie kann so bedeutend sein, dass sie eine sexuelle Identität annehmen, mit der sie sich nicht wirklich verbinden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Trans-Person nach dem Realisieren des Trans-Seins merkt, dass sie nie eine Verbindung zu der sexuellen Orientierung gespürt hat, mit der sie sich zuvor identifiziert hat, sondern sie nur dazu benutzt, sich beim Sex weniger dysphorisch zu fühlen.

Einige Transfrauen beispielsweise wurden vor der Transition für schwule Männer gehalten, weil sie den Wunsch hatten, einen Partner zu haben, der sie beim Sex wie eine Frau behandelt. Später stellt sich jedoch heraus, dass sie Lesbisch ist. Andere versuchen vielleicht, als schwule Männer zu leben, stellen jedoch fest, dass die Rolle sie nicht erfüllt, weil sie wissen, dass ihr Partner sie als Mann sieht.

Die zwanghafte männliche Sichtweise aus Sicht des Autors

"Swole Mom" - How Baby, by Lindsay Ishihiro

Es gibt ein Sprichwort, das in sapphischen Kreisen sehr bekannt ist: “Will ich Sie sein oder will ich mit Ihr zusammen sein?”

Es kann schwierig sein, den Unterschied zwischen sexueller Anziehung und Neid zu erkennen, insbesondere wenn Sie ihr Trans-Sein nicht erkannt haben. Unsere gesamte Gesellschaft baut auf Heterosexualität auf; es ist einfach die kulturelle Standardvorgabe, die bis zu dem Punkt geht, dass sogar vorpubertäre Kinder mit Botschaften über die Anziehungskraft von Männern auf Frauen überhäuft werden. Folglich wird das Interesse an Aspekten des Lebens des anderen Geschlechts fast immer gleich als sexuelle Anziehung wahrgenommen.

Was ist das Ergebnis für Trans-Teenager? Normalerweise … Scham. Transkinder verinnerlichen oft ihre Sicht auf Gleichaltrige basierend auf ihrem wahren Geschlecht. Man sieht nur ihre Gleichberechtigung nicht. Somit ist das Kind motiviert, diese Interessen zu verbergen da man sich nicht die Blöße geben möchte, dass es als sexuelle Objektivierung des Wunschgeschlechts missverstanden wird. Dies wird noch verstärkt, wenn das Kind in einem Umfeld mit sehr strengen Moralkodizes erzogen wurde, wie es in Familien mit konservativem und religiösem Hintergrund vorkommt.

Als Teenager wuchs ich in einem evangelisch-christlichen Haushalt auf. Ich wusste das ich mir Ärger einhandeln würde, wenn man mich erwischen würde, wie ich Frauen auf sexuelle Weise ansah. Außerdem durfte ich mich niemals mit Frauenkleidern sehen lassen da man mir sehr viele unangenehme Fragen stellen würde, die ich nicht beantworten wollte. Dies war ein sehr ernstes Problem für mich als jemanden mit einer starken Faszination für Damenbekleidung, insbesondere Dessous.

Es gibt einen Simpsons-Clip, in dem Moe Szyslak einem Lügendetektortest unterzogen wird. Am Ende des Tests hat er gestanden, dass er die Nacht damit verbringen wird, die Frauen im Abschnitt “Anrüchig” des Sears-Katalogs zu studieren. Der gesamte Kern der Szene und die Quelle der Komödie ist die Schande, die Moe auferlegt, weil er sich auf diesen verzweifelten Akt der Objektivierung eingelassen hat. Ich bin mit dem Wissen aufgewachsen, dass mein Interesse an Frauenkleidern genau so wahrgenommen werden würde.

Aus Scham und Angst tat ich alles, um diese Leidenschaft zu verbergen, ich hätte es einfach nicht ertragen, wenn jemand mich wie die Art Teenager sah, der dazu Masturbieren würde. Was diese Angst noch verstärkte war die Annahme das mein Interesse rein sexuell sei.

Wenn Sie die Welt durch eine entenförmige Linse sehen, dann sieht alles irgendwie aus wie eine Ente. Der einzige Rahmen, den ich erhalten hatte, um mein Interesse an Frauen zu verstehen, war das sexuelle Verlangen und demnach wurde jedes Interesse am weiblichen, als sexuellen Verlangen gedeutet. Mein Wunsch, die Braut zu sein, verwandelte sich in einen Braut Kink, mein Wunsch an Schwangerschaft und einem Kind wurde zu Interesse an Schwangerschaftspornos und mein eigenes Bedürfnis, eine Frau zu sein, wurden zu einen Transformationsfetisch umgeleitet.

Zu allem Überfluss hatte ich Angst, echtes sexuelles Interesse an anderen Frauen auszudrücken. Ich hatte männliche Freunde, die berüchtigte Aufreißer und Schwerenöter waren; Einer meiner ehemaligen Arbeitgeber hatte die schreckliche Angewohnheit, attraktive Frauen beim Mittagessen anzuglotzen, was es mir sehr unangenehm machte, mit ihm gesehen zu werden.

Ich konnte es nicht ertragen, mit diesem „männlichen Blick“ in Verbindung gebracht zu werden. Selbst um die schönsten Frauen herum würde ich es vermeiden sie anzusehen, weil ich nicht wie die Art von Person gesehen werden wollte, die Frauen anstarrt. Ich wollte nicht als Raubtier gesehen werden.

Dies ist die zwanghafte männliche Sichtweise: verpflichtende Heterosexualität, die nicht geouteten Transfrauen aufgrund heteronormativer Ideologien auferlegt wird. Eine kognitive Dissonanz, die zu intensiver Schuld und Scham im Zusammenhang mit der Wertschätzung von Gleichartigen und geschlechtsspezifischen Interessen führt.

Sobald Ich diesen männlichen Rahmen entfernte - sobald ich mich als weiblich wahrnahm, mich akzeptierte und feststellte das meine Interessen und Beobachtungen in Ordnung sind, sobald verschwanden Scham und Schuld vollständig. Selbst wenn das Interesse lesbischer Natur ist und wirklich sexuelles Verlangen einschließt, ist es nicht länger mit dieser Schicht der Objektivierung belastet. Ich bin in der Lage, die Weiblichkeit und die Schönheit anderer ohne Urteile schätzen, ich kann ihnen ein Kompliment machen, ohne befürchten zu müssen, als anbaggernd wahrgenommen zu werden oder zu hoffen das meine Absichten richtig interpretiert werden.

Es war eine Dysphorie, die ich unmöglich in Worte fassen konnte, bis sie endlich gelindert worden war. Ich war so erleichtert als ich begann, mich in die Räume queerer Frauen zu integrieren und mir wurde klar, dass Frauen genauso durstig nach Befriedigung sind wie Männer. Wir sind (normalerweise) nur viel respektvoller. Es war eine Befreiung von Schuld- und Schamgefühlen, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie mit mir rumschleppe.