Wie wird Gender Dysphorie diagnostiziert?

Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die diagnostischen Kriterien im „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ der American Psychiatric Association, Version 5 (DSM-5). Der Grund, warum ich mich auf diesen Standard konzentriere, ist der: sonst hat niemand einen. Der britische National Health Service spiegelt im Wesentlichen den DSM der APA wider. Andere Länder haben ihre eigenen lokalen Standards, aber sie sind alle entweder sehr ähnlich oder wesentlich älter.

Das WPATH SoC beschreibt Möglichkeiten, wie sich Gender Dysphorie manifestiert; definiert aber keine klaren diagnostischen Kriterien, sondern überlässt es den einzelnen psychiatrischen und therapeutischen Fachkräften, ihre eigenen Diagnosen zu stellen. Wenn der Patient gesund ist und klar im Geiste ist, wird im Allgemeinen wird empfohlen dem Patienten zu glauben, wenn er sagt das er Gender Dysphorie empfindet. Das Schlüsselwort ist hier „gesund ist und klar im Geiste“. Damit ist es dem Psychologen bzw. Therapeuten überlassen, die gebotene Sorgfalt walten zu lassen, um sicherzustellen, dass es keine anderen Faktoren gibt, weswegen der Patient das Gefühl haben könnte unter Gender Dysphorie zu leiden.

Oder, um es ganz klar auszudrücken, WPATH sagt: wenn Sie denken, dass Sie Trans sind, dann sind Sie Trans. Diese Haltung hat ein Großteil der Psychologen und Therapeuten übernommen. Solange Sie glauben, dass Ihr Geschlecht nicht mit dem übereinstimmt, welchen Ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, sind Sie Transgender. Versicherungsunternehmen geben sich mit diesen Selbstdiagnosen nicht so einfach zufrieden. Daher sind hier die Kriterien aufgeführt, die im DSM-5 für die Diagnose einer Person mit geschlechtsspezifischer Dysphorie definiert sind.

Zu Ihren Information

Hier die Diagnose einer geschlechtsspezifischen Dysphorie bei präpubertären Kindern. Es wird erfordert, dass das Kind sechs dieser Kriterien in einer dokumentierten Vorgeschichte von sechs Monaten sowie nachgewiesener Belastung oder Funktionsbeeinträchtigung erfüllt.

  1. Ein starker Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören oder das Beharren darauf, dass man das andere Geschlecht ist.
  2. Eine starke Vorliebe für das Tragen von Kleidung, die für das andere Geschlecht typisch ist.
  3. Eine starke Vorliebe für gegengeschlechtliche Rollen beim Spielen
  4. Eine starke Präferenz für Spielzeug, Spiele oder Aktivitäten, die stereotypisch vom anderen Geschlecht verwendet oder ausgeübt werden
  5. Eine starke Präferenz für Spielkameraden des anderen Geschlechts
  6. Eine starke Ablehnung von Spielzeug, Spielen und geschlechtstypischen Aktivitäten
  7. Eine starke Abneigung gegen die eigene sexuelle Anatomie
  8. Ein starkes Verlangen nach den körperlichen Geschlechtsmerkmalen, die dem eigenen erfahrenen Geschlecht entsprechen

Hinweis: Dies sind die Kriterien für Jugendliche und Erwachsene. Kinder haben andere Kriterien. Ich habe auch den Wortlaut hier leicht geändert, da die offiziellen Kriterien auf Binäre-Trans-Personen abgestimmt sind.

Damit bei einem Erwachsenen von einem zugelassenen Psychologen oder Therapeuten eine geschlechtsspezifische Dysphorie diagnostiziert werden kann, muss er zwei der sechs Kriterien erfüllen und darunter seit mehr als sechs Monaten leiden.

  • Ein Gefühl der deutlichen Abweichung zwischen dem erlebten bzw. dem zum Ausdruck gebrachten Geschlecht und den primären und/oder sekundären Geschlechtsmerkmalen

    Die Art und Weise, wie die Person die Welt sieht und mit der Welt interagiert, stimmt nicht mit der Art und Weise überein, welche Geschlechtstypisch für das zugewiesene Geschlecht ist. Es gibt sehr viele Merkmale, auf die diese Beschreibung passt. Mögliche Merkmale: Wie sie mit anderen interagieren, wie sie sprechen, welche Hobbys sie bevorzugen, wie sie sich kleiden (wollen), ihre Körpersprache und ihre Manieren, mit welchen Geschlechtern sie sich mehr identifizieren, …

  • Der starke Wunsch, seine primären und/oder sekundären Geschlechtsmerkmale loszuwerden

  • Ein starkes Verlangen nach den primären und/oder sekundären Geschlechtsmerkmalen eines anderen Geschlechts

    Diese beiden Punkte ergänzen sich gut. Dies ist die zuvor definierte körperliche Dysphorie. Die Person fühlt sich mit Aspekten ihres Körpers wegen der Geschlechtsmerkmale unwohl

  • Ein starker Wunsch, von einem anderen Geschlecht zu sein (für binäre-Trans-Personen: Ein starker Wunsch dem anderen Geschlecht anzugehören)

  • Ein starker Wunsch, wie das andere bzw. ein anderes Geschlecht behandelt zu werden

    Dies sind die soziale und gesellschaftliche Dysphorie. Hier wird beschrieben, wie Sie wollen das die Welt mit Ihnen interagiert und wie Sie mit der Welt interagieren möchten.

  • Eine starke Überzeugung, dass man die typischen Gefühle und Reaktionen eines anderen Geschlechts hat

    Das ist ziemlich selbsterklärend.

Wie oben erwähnt müssen Sie nur zwei dieser Bedingungen erfüllen, um die formale Diagnose zu erfüllen. Hierbei können Sie feststellen das nur zwei Kriterien Ihren physischen Körper umfassen. Es ist also durchaus möglich, dass eine Trans Person eine geschlechtsspezifische Dysphorie erlebt, ohne Teile ihres Körpers zu hassen oder anpassen zu wollen. Körperliche Dysphorie ist also nur ein mögliches Kriterium, das Aufzeigen kann, das eine Person Transgender ist.

Hier kommt aber der interessante Punkt: Wenn Sie sich als Transgender identifizieren, dann bedeutet das, dass Sie glauben das Ihr Geschlecht nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das Ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Sie erfüllen also bereits zwei dieser Kriterien! Sie haben das starke Verlangen, ein anderes Geschlecht zu haben, indem Sie erkennen, dass Sie ein anderes Geschlecht sind, und Sie haben eine starke Überzeugung davon das sich Ihr Geschlecht nicht so anfühlt wie es Ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Daher ist es für eine Person per Definition fast unmöglich, sich als Trans zu identifizieren aber keine geschlechtsspezifische Dysphorie zu erleben. Durch die WPATH-Anforderungen kann sich jeder als Trans identifizieren. Ergo ist die Aussage „Sie müssen keine Dysphorie empfinden, um Transgender zu sein“ ein logisches Paradoxon.

Warum gibt es dieses Paradoxon dann immer noch? Weil die meisten Menschen nicht wissen, was geschlechtsspezifische Dysphorie tatsächlich ist. Außerdem ist es einfacher (und schneller) dieses Mantra („Sie brauchen keine Dysphorie empfinden, um Transgender zu sein“) zu wiederholen, als die Nuancen und Feinheiten zu erläutern, wie sich geschlechtsspezifische Dysphorie manifestieren kann. Aber Glückwunsch, Sie können den Leuten jetzt einfach diesen Artikel verlinken.